Die Krise verschärft sich

«Die Industrie kann im Gegensatz zu vielen Dienstleistungsbranchen den Betrieb auch im Lockdown weiterführen, und viele Grossunternehmen meldeten zuletzt einen befriedigenden oder sogar guten Geschäftsgang. Bei den KMU hingegen herrscht eine düstere Stimmung. Die Lage hat sich wegen des erneuten Lockdowns nochmal dramatisch verschärft.» So beschreibt im aktuellen «Raiffeisen KMU PMI» der Geschäftsführer eines Kleinstunternehmens die Lage. Es produziert hochwertige Verpackungsmittel. Ein Mikrounternehmen aus dem Tessin, das Gastronomiebetriebe mit Getränken beliefert, berichtet von grossen Umsatzeinbrüchen. Denn die Gastronomie leidet. Der Beschäftigungsindikator der Konjunkturforschungsstelle KOF weist für das Gastgewerbe einen neuen Tiefsstand aus, seit diese Daten erstmals 1989 erhoben wurden. Er liegt noch tiefer liegt als während des ersten Lockdowns. Auch im Verarbeitenden Gewerbe und bei den Banken ist der Beschäftigungsindikator negativ.

Gerade Kleinstbetriebe seien in der Regel besonders stark vom Heimmarkt abhängig, heisst es im KMU PMI. Nicht viel besser sehe es bei mittleren und grösseren KMU mit einem grösseren Anteil an Exporten aus. So verharrt der KMU PMI bei der Mehrheit der von Raiffeisen befragten Unternehmen auf einem niedrigen Niveau und fiel auf den Stand vom letzten Mai zurück, auf dem Höhepunkt des ersten Lockdowns. Bei den KMU insgesamt ist die Beschäftigung auch rückläufig, aber deutlich weniger als im letzten Frühjahr. Das könnte damit zu tun haben, dass ab dem zweiten Quartal mit einem Aufschwung gerechnet wird, sollten die Impfkampagnen gegen das Corona-Virus greifen. Damit rechnen offenbar auch viele Einkäufer. Der Einkaufsmanagerindex von procure lässt vorsichtigen Optimismus zu. Doch nach wie vor lebe man «von Tag zu Tag», berichtet der Geschäftsführer eines mittelgrossen Herstellers von Metallerzeugnissen in der Region Aarau. «Wir haben keinerlei Planungssicherheit.» 

Sinkende Tendenz weist im Januar auch das Konjunkturbarometer des KOF aus. Er fällt auf 96,5 Punkte und liegt damit unter seinem langjährigen Durchschnittswert von 100. Noch im Dezember wurden 104,1 Punkte ausgewiesen. Im verarbeitenden Gewerbe spürten vor allem die Branchen Elektro-, Metall, Textil- und Papierindustrie den starken Gegenwind. Und auch die Konsumenten halten sich mit Investitionen stark zurück: Das Bundesamt für Statistik meldet für das Jahr 2020 einen Rückgang der Autoverkäufe um 17,8 Prozent, dem niedrigsten Wert seit 24 Jahren.

Urs Fitze

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