KMU blicken sehr besorgt in die Zukunft

Der von der Raiffeisenbank monatlich unter 200 KMU erhobene Stimmungsindikator KMU PMI ist im Oktober von 48,6 auf 48,3 Punkte gesunken und liegt damit nach wie unter der Expansionsschwelle von 50. Nur gerade im Juni hatte, nach der Lockerung der Corona-Massnahmen, in diesem Jahr ganz leichter Optimismus geherrscht. Doch schon im Folgemonat kippte die Stimmung wieder. Vor allem sinkende Auftragsbestände und eine rückläufige Produktion belasten die KMU, dazu kommt eine anhaltende Reduktion der Beschäftigung. Keiner der fünf Subkomponenten, Auftragsbestand, Produktion, Beschäftigung, Lieferfristen und Einkaufslager liegt über der Wachstumsschwelle.  «Meine Druckerei ist wieder im Kriechgang», wird ein Unternehmer aus Thun zitiert. Er beklagt zudem die sinkende Zahlungsmoral, was zu Liquiditätsengpässen führe. «Die Situation gleicht einem Drahtseilakt.» Am meisten betroffen sind das Gastgewerbe und andere personenbezogene Dienstleistungen. Aber auch die industriell tätigen KMU leiden. So klagt ein Käsereinunternehmer aus dem Appenzellerland über die grosse Unsicherheit bei den Exporten nach Deutschland und Frankreich, wo in den Herbst- und Wintermonaten traditionell viel Raclettekäse konsumiert werde. Die Nachfrage nach Schweizer Exportprodukten verharrt nach wie vor unter dem Vorkrisenniveau. Ein weiterer Konjunktureinbruch wird wahrscheinlicher. 

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH KOF hat kürzlich ein Szenario mit einer sich weiter verschärfenden Pandemiesituation skizziert, bei dem mit einem von Corona geprägten Herbst und Winter gerechnet wird. Die KOF erwartet in diesem, inzwischen wahrscheinlicher gewordenen Verlauf einen Konjunkturrückgang für dieses Jahr von 4,9 Prozent. Dieser liegt damit nochmals tiefer als bei der Prognose vom August. Noch schlechter sieht es im Euroraum auf, dem mit Abstand wichtigsten Markt für den Schweizer Export. Ein Minus von 6,8 Prozent erwartet die KOF. Auch in den USA und Grossbritannien wird mit ähnlichen, teil noch deutlicheren Einbrüchen gerechnet. Und während in früheren Krisen der private Konsum der letzte Anker gewesen war, der noch gehalten hatte, sieht es im Zeichen von Corona auch nicht gut aus. Die KOF erwartet ein Minus von vier Prozent, das sich primär im Gastgewerbe und im reinen Lebensmittelhandel zeigt. Am meisten wird in diesen Zeiten allerdings gespart. Das lässt darauf hoffen, dass der Konsum beim fürs nächste Jahr erwartenden leichten Aufschwung von 1,5 Prozent wieder zum Träger werden könnte. 

Auch der vierteljährlich ermittelte KOF-Beschäftigungsindikator gibt wenig Anlass zum Optimismus. Er hat sich zwar leicht erholt, liegt aber unverändert deutlich im negativen Bereich. Besonders pessimistisch sind Firmen aus dem Gastgewerbe, dem Grosshandel und der Industrie. Der mehrheitlich noch vor den aktuellen Verschärfungen vom 28. Oktober erhobene KOF-Geschäftsanlagenindikator zeigt ganz vorsichtigen Optimismus, der sich bei den Firmen, die erst Ende Oktober den Fragenkatalog ausgefüllt hatten, schon wieder verdüstert, auch wenn bislang noch nicht mit einem so dramatischen Einbruch wie im Frühjahr gerechnet wird. Jedes zehnte Unternehmen sieht seine Existenz unmittelbar bedroht, und über 60 Prozent leiden unter der tieferen Nachfrage.

Urs Fitze

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