Sozialhilfeausgaben konstant – wie lange noch?

Niemand darf ins Elend stürzen: Alle Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz haben ein in Artikel 12 der Bundesverfassung garantiertes Recht auf Nothilfe. Sie ist das letzte Netz der sozialen Absicherung. Die Umsetzung und Finanzierung obliegt den Kantonen, die diese wiederum in aller Regel an die Gemeinden delegieren. Über die Kosten ist in letzter Zeit viel gestritten worden.  Die Sozialversicherungsstatistik schafft die nötige Transparenz. Nun liegen die Zahlen für das Jahr 2018 auf dem Tisch. 2'831 Millionen Franken sind an 3,2 Prozent der Bevölkerung, rund 275'000 Bezügerinnen und Bezüger, geflossen. Die Sozialhilfequote ist dabei in den letzten zwei Jahrzehnten ziemlich konstant geblieben. 2005 lag sie bei 3,2, 15 Jahre später bei 3,0 und 2017 bei 3,3 %. Die Ausgaben für die Sozialhilfe sind seit 2005 von 1'697 Millionen auf 2 831 Millionen im Jahr gestiegen. Die Wohnbevölkerung hat in diesen 13 Jahren um 1,1 Millionen zugenommen. Die absolute Zahl der Sozialhilfeempfänger hat sich seit 2005 um 37'000 Personen erhöht, lag im Jahr 2018 aber leicht unter dem Vorjahr. Der Anteil der Schweizerinnen und Schweizer hat seit 2005 leicht abgenommen, von 56,2 auf 52,5 %. Entsprechend erhöht hat sich der Anteil der Bezügerinnen und Bezüger ohne Schweizer Pass. Deren Sozialhilfequote lag 2018 bei 6,1 Prozent, jene der Schweizerinnen und Schweizer bei 2,3 %. 

Deutlich mehr ältere Bezüger

Markant sind die Verschiebungen bei den Altersgruppen. Während die Zahlen bei den Altersgruppen bis 45 Jahre rückläufig sind, legen sie ab 46 Jahren deutlich zu, bei den 56- bis 64-jährigen hat sich der Anteil von 5,7 (2005) auf 10,3 Prozent (2018) erhöht. Das sind gegen 30'000 Betroffene in dieser Altersgruppe. In der Sozialhilfestatistik werden als «vorgelagerte Bedarfsleistungen» auch Alters- und Invaliditätsbeihilfen, die Alimentenbevorschussung, Familienbeihilfen, Arbeitslosenhilfe und Wohnbeihilfen gerechnet. Sie machten zusammen 15,6 Prozent der Gesamtkosten von 3,325 Milliarden aus.

Stark gestiegene Arbeitslosigkeit

Die Covid 19 – Krise und deren wirtschaftliche Folgen werden auch in der Sozialhilfe spürbar. Medienberichte lassen vermuten, dass diese dramatisch sein könnten. Noch sind keine statistischen Auswertungen verfügbar. Ein wichtiges Indiz sind die Zahlen vom Arbeitsmarkt. Das Staatssekretariat für Wirtschaft meldet per Ende Oktober 149'118 Arbeitslose. Vor einem Jahr waren es noch 101'684 gewesen. Die Zahl der Stellensuchenden hat sich sogar um 64'965 auf 241'460 erhöht. Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung weist für das dritte Quartal einen Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen um 0,4 Prozent oder 21'000 Personen aus. Die wöchentliche Arbeitszeit sank um 2,7 Prozent. Die Erwerbslosenquote nach Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO), die einen internationalen Vergleich ermöglicht, lag Ende September bei 5,3 % (+ 0,7), in der Europäischen Union bei 7,4 % (plus 0,9). 

Urs Fitze

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