Facebook und Co. ziehen davon

(Urs Fitze) Seit 25. Mai gilt die Europäische Datenschutz – Grundverordnung in der Europäischen Union. Eine erste Bilanz zeigt, dass vor allem grosse Datensammler wie Google und Facebook von der DSGVO profitieren, und das trotz hoher Kosten für deren Umsetzung. Ob das so bleibt, ist im Umfeld zahlreicher Klagen gegen die Multis offen.

Vor allem Google, Facebook und Amazon haben ihre Marktanteile laut einem Bericht des Online-Magazins politico.eu auf dem Online-Werbemarkt steigern können, während kleinere Anbieter das Nachsehen haben. Letztere tun sich sichtlich schwer mit der Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung, während laut einer Analyse des internationalen Verbandes der Datenschutzfachleute (IAPP) die grössten 500 Unternehmen der Welt knapp acht Milliarden Dollar ausgegeben haben, um die Auflagen der DSGVO zu erfüllen. Das Geld sei vor allem für Tausende von Anwälten und Datenschutz-Experten verwendet worden, sagte IAAP-Direktor Trevor Hughes der Financial Times. Dazu kämen erhebliche Ausgaben für die technischen Modifikationen. Im Durchschnitt beschäftigten die grossen Konzerne fünf Datenschutz-Beauftragte und weitere fünf Fachleute für die interne Umsetzung der neuen Regeln. Derweil schrumpfen die Investitionen in kleinere Datenfirmen. Der Datenspezialist Dealroom rechnet mit einem Rückgang von 40 Prozent. Vor allem junge Unternehmen tun sich besonders schwer.

Zehntausende Beschwerden und Selbstanzeigen
Über 57'000 Beschwerden sind in den ersten sechs Monaten seit Einführung der DSGVO bei den nationalen Datenschutzbehörden eingegangen, über 27'000 Unternehmen haben Selbstanzeigen gemacht, die innerhalb von drei Tagen nach Eintreten des Deliktes zulässig sind. Tausende Verfahren laufen, darunter auch viele gegen die grossen Player der Datenbranche. Und zumindest auf der Gesetzestafel sind drakonische Strafen angedroht, die selbst einem Multimilliarden-Konzern weit mehr als nur die Portokasse belasten würden. Und zumindest der Tatverdacht lässt solche Millionenbussen als durchaus möglich erscheinen. Es geht etwa um grobe Verstösse der Datenschutzregeln bei Facebook, das Sammeln von Daten ohne Einwilligung der Betroffenen, wie es etwa Google mit den Aufenthaltsorten handhabt, aber auch die interne Verwendung von Kundendaten.

Sensibilisierte Bürgerschaft
Die grössten Probleme bei der Umsetzung zeigten sich in EU-Mitgliedsstaaten, wo die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger zum Datenschutz unterschätzt worden seien, sagte die EU-Kommissarin für Justiz, Vera Jourova, Reportern. «Die Leute glauben, die DSGVO bringe eine Revolution, aber es handelt sich um eine Evolution.» Will heissen: Die Umsetzung braucht Zeit. Tatsächlich hat die Debatte rund um die DSGVO auch ihr Gutes. Sie macht auch die Unbedarftesten wach. Zwei Drittel der EU-Bürgerinnen und -Bürger sind heute vor allem gegenüber den grossen Datenhändlern wie Facebook misstrauisch, ob ihre Daten nicht für politische Zwecke missbraucht werden. Dieser Vertrauensverlust trifft auch andere Firmen, die ihre Kunden heute fragen müssen, ob sie die Daten für bestimmte Zwecke verwenden dürften. Die Datenschutz-Grundverordnung habe erheblich zu einer neuen Wachsamkeit beigetragen, sagte Gabriel Weinberg, Direktor von DuckDuckGo, einer alternativen Suchmaschine, die auf das Datensammeln verzichtet, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er stelle ein steigendes Interesse von Investoren fest. Doch es zeigen sich auch Grenzen. Rund zwei Drittel der Konsumenten sagten in einer Umfrage des britischen Magazins Marketing Week, sie hätten ihr Verhalten nicht geändert, rund die Hälfte meint, man wisse nach wie vor nicht, was mit den Daten geschehe.

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