Konjunktur schwenkt auf Normalkurs

(Urs Fitze) Der Schweizer Konjunkturhimmel hat sich nach einer empfindlichen Wachstumsdelle (minus 0,9 %) im 3. Quartal eingetrübt. Doch schon im Oktober gab es grosse Aufhellungen, so dass die Auguren keine Rezession, sondern eine Abschwächung im Bereich des Potenzialwachstums erwarten. Das liegt vor allem an der sich abschwächenden Konjunktur in wichtigen Exportmärkten.

Die vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO errechnete Entwicklung des Bruttoinlandproduktes im dritten Quartal überraschte alle Prognostiker. Um gleich 0,9 Prozent ging das BIP im Vorjahresvergleich (um 0,2 Prozent im Vergleich zum vorigen Quartal) zurück. Noch im ersten Quartal war ein Plus von fast vier Prozent erreicht worden. Es waren, wie die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich KOF in ihrer jüngsten Analyse festhält, verschiedene Sonderfaktoren gewesen, die für den Einbruch verantwortlich waren. So hinterliess die Verzögerung von Typenzulassungen deutscher Fahrzeuge auch für die Zulieferer und Verkäufer in der Schweiz eine deutliche Bremsspur. Der ausserordentliche warme und trockene Sommer machte Landwirten, den Produzenten von Wasserstrom und dem Bekleidungshandel zu schaffen. Und schliesslich schrumpften auch die Umsätze der für die schweizerische Wertschöpfung mit einem Anteil von fünf Prozent wichtigen Pharmaindustrie einen Umsatzeinbruch. Die KOF spricht von «einer Folge von Zufällen in der Logistik in der internationalen Wertschöpfungskette in dieser Branche».

Ein Minus von 0.9 Prozent klingt in diesem Fall dramatischer als es tatsächlich ist, auch wenn nach zwei aufeinander folgenden Quartale mit einer negativen Entwicklung des BIP schon von einer Rezession gesprochen wird. Allgemein war eine Abschwächung erwartet worden, wie das KOF in seinen Unternehmensumfragen herausgefunden hat. Auch der allgemein als guter Indikator angesehen Einkaufsmanagerindex deutet eher auf ein solides Wachstum hin. Aus diesem Grund, und weil auch bereits der Monat Oktober eine deutliche Aufwärtstendenz zeigt, wird von den meisten Auguren für das letzte Quartal dieses Jahres eine kräftige Korrektur erwartet.

Dennoch lassen sich die optimistischen früheren Prognosen nicht mehr halten. So schraubte BAK Economics seine Prognose für das Jahr 2018 von 3,0 auf 2,6 Prozent herunter, schliesst eine Rezession aber praktisch aus. Im gleichen Rahmen bewegen sich auch die Kollegen vom KOF. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse ist mit 2,7 Prozent noch einen Hauch zuversichtlicher. Für 2019 rechnet der Verband mit fast einer Halbierung der Wachstumsrate. Die KOF ist mit 1,8 Prozent etwas optimistischer, BAK mit 1,2 Prozent etwas pessimistischer.

Der Gegenwind kommt vor allem aus «dem globalen Konjunkturumfeld», wie BAK economic intelligence in seiner «Flash Prognose für die Schweiz» schreibt. Der schwelende Handelskrieg zwischen den USA und China, der nahende Brexit oder der Streit zwischen Italien und der EU-Kommission und ein sich abzeichnendes Ende der Hochkonjunktur in Deutschland zählen zu den Ursachen. So dürfte das Wachstum der Weltwirtschaft sich abschwächen, es sind keine Treiber in Sicht. Im weiteren Ausblick rechnen sowohl die KOF als auch das BAK mit einer leichten Steigerung, die sich in etwa im Rahmen des Potenzialwachstums bewegt. Nichts allzu Dramatisches also. Auch die für Oktober gemeldete, leichte Zunahme der Arbeitslosenquote von 2,4 auf 2,5 Prozent, die saisonale Ursachen haben dürfte, erscheint vor diesem Hintergrund verkraftbar.

Urs Fitze

© 2019 Schweiz. Verband Creditreform (Genossenschaft)

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