Langsamere Entwicklung im Schweizer B2B-Onlinehandel

In der Schweiz sei der Onlinehandel zwischen Unternehmen wegen vergleichsweise geringer Volumina und eines hohen Investitionsbedarfes weniger weit entwickelt als im viel grösseren Deutschland, sagt Bruno Rhomberg, Mitglied der Gesamtgeschäftsleitung der Creditreform Egeli Gesellschaften Basel, Zürich und St. Gallen im Interview.

Herr Rhomberg, der Onlinehandel zwischen Unternehmen liegt in der Bedeutung zwar noch deutlich hinter jenem zwischen Konsumenten und Unternehmen, entwickelt sich nun aber in rasantem Tempo. Was sind die Gründe?

Bruno Rhomberg: Im B2B Online Handel muss man zwei Arten von Waren unterscheiden. Der Einkauf von Verbrauchsgütern, beispielsweise Büromaterial, Werbegeschenke oder Getränke für die Mitarbeiter, und der Einkauf von Produktionsmittel und Handelswaren. Viele Händler wickeln die Bonitätsprüfung  aus Ihren Online Shopsystemen über die Creditreform-Schnittstelle ab. Dabei erkennen wir, dass der Anteil von Firmenkunden auch in der Schweiz stark zunimmt.  Wir stellen aber fest, dass bisher eher nur Verbrauchsgüter online verkauft werden. Im Kerngeschäft beim Verkauf von Produktionsmittel und Handelswaren üben die Schweizer Unternehmen eher Zurückhaltung aus.  

Wie sehen Sie die Situation in der Schweiz im Vergleich mit Deutschland?

Rhomberg: Firmenvertreter handeln im Onlinehandel häufig differenzierter und anspruchsvoller als private Konsumenten. Das Pricing und Zahlungskonditionen sind pro Kunde unterschiedlich. Verrechnungen können sehr komplex sein, und die Produktepalette ist breiter gestreut. Zum Beispiel wird im Baugewerbe häufig verlangt, dass eine Rechnungsstellung pro Objekt (Baustelle) möglich ist. Bei hohen Volumina lohnen sich entsprechende Investitionen in die Applikation und Schnittstellen. In Deutschland mit einem viel grösseren Markt sind die Volumina höher, und deshalb kann in diesen Bereichen auch mehr investiert werden. Wir sehen das auch im Kreditmanagement. In der Regel ist uns Deutschland einige Jahre voraus. Wir erwarten, dass sich auch der B2B – Onlinehandel im Kerngeschäft der Unternehmen weiter entwickeln wird.

Im B2B-Onlinehandel arbeiten viele Händler nur mit Bestandeskunden zusammen. Weshalb?

Rhomberg: Im B2B-Handel ist vor allem das Pricing ein grosses Thema. Deshalb werden Produktionsmittel und Handelswaren für Business – Kunden häufig erst nach einem manuellen Onboarding-Prozess Online verkauft. Der Business – Kunde muss vor dem ersten Einkauf geprüft und entsprechend in den Systemen mit differenzierter Tarifierung eröffnet werden. Wir erwarten hier, dass diese Systeme auch für Neukunden offener werden. Darauf sind wir vorbereitet: Auch für Business – Kunden können über unsere Schnittstelle entsprechende Prüfungen gemacht werden.

Urs Fitze

© 2017 Schweiz. Verband Creditreform (Genossenschaft)

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