Privatkonkurse in Österreich: Die Ruhe vor dem Sturm

(Urs Fitze) Auf einen historischen Tiefstand gesunken sind Privat- und Unternehmensinsolvenzen in Österreich. Laut der Creditreform-Insolvenzstatistik für die ersten drei Quartale dieses Jahres gingen die Insolvenzen gesamthaft um 14,8 Prozent zurück. Doch das ist nur die Ruhe vor dem Sturm.

5’653 Privatkonkurse weist die statistische Erhebung von Creditreform Österreich für die ersten drei Quartale dieses Jahres aus. Das entspricht einem satten Minus von 19,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Unternehmensinsolvenzen haben von 4’182 im Jahr 2016 auf 3’924 in diesem Jahr abgenommen – ein Minus von 6,2 Prozent. Doch während die rückläufigen Firmenkonkurse den erfreulichen wirtschaftlichen Aufschwung spiegeln, der Österreich seit Anfang dieses Jahres erfasst hat, täuschen die stark abnehmenden Privatkonkurse über die wahren Gegebenheiten hinweg. Denn seit 1. November gelten neue gesetzliche Regelungen im Privatkonkursrecht, die um einiges schuldnerfreundlicher sind als zuvor. Offensichtlich hatten viele überschuldete Privatpersonen das Inkrafttreten abgewartet. Denn eine Entschuldung ohne weitere Rückzahlungsverpflichtungen ist neu in einer Fünfjahresfrist möglich. Zuvor galt eine Frist von sieben Jahren und die Verpflichtung, in diesem Zeitraum mindestens zehn Prozent der Schulden zu tilgen, um von einer Entschuldung profitieren zu können. In Österreich werden knapp 90 Prozent der Privatkonkurse im so genannten Schuldenregulierungsverfahren abgewickelt, der Rest entfällt auf Insolvenzanträge, die mangels Vermögen abgewiesen werden. Mit dem neuen Insolvenzrecht ist nun mit einem starken Anstieg der Privatkonkurse zu rechnen. Creditreform rechnet für das Jahr 2018 mit bis zu 15'000 privaten Insolvenzen. Das wäre annähernd eine Verdoppelung gegenüber 2017. Stark gestiegen sind bei den Unternehmensinsolvenzen hingegen die Abweisungen mangels Masse bei nicht eingetragenen Einzelfirmen. Das könnte die nach wie vor angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt spiegeln, die viele Erwerbslose dazu verleitet, sich ohne solides Geschäftsmodell selbständig zu machen. Die gescheiterte Selbständigkeit gilt neben der Arbeitslosigkeit und einem falschen Umgang mit Geld als Hauptursache für Konkurse. Die Durchschnittsverschuldung liegt bei rund 70'000 Euro. 

© 2018 Schweiz. Verband Creditreform (Genossenschaft)

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