Recht günstige Aussichten für Schweizer Wirtschaft

«Weiterhin günstig» seien die Perspektiven für die Schweizer Wirtschaft, meint die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF). Auch die Expertengruppe des Bundes sieht eine «positive Entwicklung» trotz «bisher zögerlicher Erholung». Erwartet wird allgemein ein solides Wachstum der Wirtschaft.

Das KOF Konjunkturbarometer stieg im Juli auf einen Wert von 106.8. Es liegt damit deutlich über seinem historischen Mittelwert. Der für die Jahre 2006 bis 2015 errechnete Durchschnittswert von 100 wird nun seit knapp eineinhalb Jahren übertroffen. Das Konjunkturbarometer gilt als einer wichtigsten Indikatoren der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung. Es vereint über 400 Indikatoren. Der langjährige Vergleich mit der realen Entwicklung unterstreicht dessen recht genaues Abbild der jeweiligen wirtschaftlichen Trends. Mit dem jüngst erreichten Wert, so die KOF in einer Pressemitteilung, bleibe der Ausblick für die Schweizer Wirtschaft «günstig». Die wichtigsten positiven Impulse seien von den Indikatoren aus dem Gastgewerbe und für die Exportentwicklung gekommen. Auch der Bausektor entwickle sich positiv. Dämpfend wirkten die Daten aus dem Verarbeitenden Gewerbe, wo besonders viele KMU tätig sind. Die Unternehmen schätzten ihre Wettbewerbsposition zwar günstiger ein als zuvor, allerdings habe sich die Auftragslage «deutlich abgeschwächt.» Besonders eingetrübt haben sich die Perspektiven für die Metall-, Holz- und Nahrungsmittelindustrie, während Maschinenbauer und Textilindustrie einen aufgehellten Konjunkturhorizont erkennen. Praktisch unverändert zeigen sich der inländische Konsum und der Bankensektor. 

Exporte im Hoch

In ihrer letzten Konjunkturprognose vom Juni rechnete die KOF mit einer weiter anziehenden Schweizer Wirtschaft, die primär vom globalen Aufschwung profitiere. Entsprechend sei mit einem Wachstum der Exporte von 2,9 Prozent zu rechnen. Das dürfte angesichts der aktuellen Halbjahreszahlen, die ein Plus von 4,4 Prozent ausweisen, noch übertroffen werden, zumal auch die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum, dem mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt, weiter positiv bleibt. Und auch die Abschwächung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro dürfte die Exportwirtschaft weiter stärken. Nach einem halben Jahrzehnt mit rückläufigen Konsumentenpreisen beginnen diese wieder zu steigen, die KOF erwartet eine Steigerung im Umfang von 0,3 Prozent in den Jahren 2017 und 2018. Dieser Anstieg sei so gering, dass die Nationalbank kaum von ihrer Geldpolitik abweichen werde. Damit dürften die Zinsen auf ihren extremen Tiefständen verharren. Die Arbeitslosigkeit wird lauf KOF auf dem Stand von 4,9 % (berechnet nach den Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, die offiziell ausgewiesene Quote liegt bei 3,2 Prozent) verharren. Und da der Rationalisierungdruck anhaltend gross bleibe, sei auch nicht mit einem Anstieg der Beschäftigung zu rechnen. Für die Industrie sehe die Zukunft gemischt aus. Zwar werde der Schrumpfungsprozess in vielen Branchen «langsam zu Ende gehen», und jene, denen es bisher noch relativ gut gegangen sei, dürften ihre Produktion nun ausweiten. Insgesamt sei ein Wachstum des Bruttoinlandproduktes für 2017 von 1,3 Prozent zu erwarten, eine leichte Reduktion der Prognose vom Frühjahr, die noch bei 1,4 Prozent gelegen hatte. Leicht optimistischer zeigt sich die Expertengruppe des Bundes, die ihre Wachstrumsprognose von 1,6 Prozent auf 1,4 Prozent zurückgenommen hat. Zum Wachstum beitragen dürften danach sowohl die Inlandnachfrage als auch die Exporte. Das vergleichsweise langsame Wachstum täusche etwas über die realen Gegebenheiten hinweg. Die Schweizer Wirtschaft stehe weit besser da, als es auf den ersten Blick erscheinen möge. Das zeige unter anderem die anhaltende Erholung der Exporte und das Wachstum der Binnenwirtschaft. 

Auch die Konsumentinnen und Konsumenten zeigen sich zuversichtlicher. Der aktuelle Index der Konsumentenstimmung liegt deutlich über dem langjährigen Mittelwert. Insbesondere die Entwicklung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes wird positiv beurteilt, während die eigenen Erwartungen zur finanziellen Lage und zur Möglichkeit, Geld zu sparen, nach wie vor skeptisch gesehen wird. Das, so kommentiert das Staatssekretariat für Wirtschaft seco die Entwicklung, «könnte sich jedoch ändern, sollte sich die Erholung am Arbeitsmarkt wie von den Konsumenten erwartet vollziehen.»

Magere Gewinne begrenzen Investitionen

Die Konjunkturexperten der Grossbank Credit Suisse sehen ihrerseits kein «beeindruckendes Wachstum», das erste Quartal sei mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent gar «enttäuschend» ausgefallen. Dennoch sei die Verfassung der Schweizer Wirtschaft besser, als es den Eindruck mache. So sei sowohl mehr investiert als auch konsumiert worden, und die Exporte nähmen zu. Und schliesslich verfälsche ein negativer Beitrag der Komponenten «Lager und statistische Abweichung» mit einem Minus von 1,7 Prozent im ersten Quartal die Entwicklung des Bruttoninlandprodukts. Diese Komponente sei stark durch den Gold- und Rohstoffhandel geprägt und lasse kaum Rückschlüsse auf die Dynamik der Wirtschaft zu. Die Credit Suisse zeigt sich leicht optimistischer und rechnet mit einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent für 2017 und 1,7 Prozent für 2018. Während die Exporte stark anziehen, bleibe das Binnenwachstum solid, beschleunige sich aber nur langsam. Zudem seien die Zeiten steigender Kaufkraft durch sinkende Preise vorbei. Die Zuwanderung stütze zwar nach wie vor den Konsum, doch schrumpfe dieser Beitrag. Wenig zunehmen dürften laut CS auch die Unternehmensinvestitionen. Zwar seien die Voraussetzung mit niedrigen Zinsen und dem steten Zwang zur Rationalisierung günstig. Doch begrenze die «nach wie vor schwierige Erlössituation» das Potenzial. Die Nettobetriebsüberschüsse lägen noch immer auf dem tiefen Niveau des Krisenjahres 2009. 

Urs Fitze

© 2017 Schweiz. Verband Creditreform (Genossenschaft)

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