Schweizer Wirtschaft mit positiver Perspektive

Von einer «überfälligen Wachstumsbeschleunigung» sprechen die Prognostiker des «Raiffeisen Investment Office». Denn die Stimmung sei in der Schweizer Unternehmenswelt schon länger positiv gewesen. Aktuell bewegt sich der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes, einer der wichtigen, so genannten «Vorlaufindikatoren», auf dem höchsten Niveau seit über sechs Jahren. Doch das war der Aufschwung im Kopf. In der wirtschaftlichen Realität liess der Aufschwung etwas auf sich warten.

Die erste Jahreshälfte 2017 enttäuschte viele Experten. Statt der erwarteten Erholung stagnierte die Schweizer Wirtschaft im ersten Halbjahr praktisch mit Wachstumsraten von 0,1 Prozent im ersten und 0,2 im zweiten Quartal. Doch dann kam es anders. Der Euro erstarkte nach der Wahl in Frankreich, getrieben von einer sehr robusten europäischen Konjunktur, gegenüber dem Franken, der Kurs bewegte sich bis nahe an die Schwelle von 1.20 Franken zum Euro, die bis zur Aufgabe der Frankenanbindung an den Euro durch die Schweizerische Nationalbank als Untergrenze gegolten hatte. Dazu kam eine ebenso robuste globale Konjunktur insbesondere in den wichtigen Exportmärkten der Schweizer Wirtschaft. Zudem begannen sich offenbar die getroffenen Spar, Optimierungs- und Restrukturierungsmassnahmen zur Abwendung des Frankenschocks auszuzahlen.

Die Schweizer Wirtschaft, getrieben den exportorientierten Branchen, expandierte so rasch, dass trotz des schwachen ersten Halbjahres mit einer Expansion um ein Prozent für das Jahr 2017 gerechnet wird. Doch das soll erst der Anfang sein. Für 2018 rechnen die optimistischsten Auguren mit einem weit überdurchschnittlichen Wachstum von 2,3 Prozent. So sind die Auftragsbücher der Metall- und Maschinenindustrie so voll wie schon lange nicht mehr, in der Branche müssen einzelne Aufträge abgelehnt werden, weil es an Kapazitäten mangelt. Deshalb ist auch mit steigenden Ausrüstungsinvestitionen zu rechnen, zumal die Zinsen zumindest in den nächsten Monaten noch auf extrem tiefen Niveau verharren dürften. Profitieren von der Frankenabwertung dürfte auch der Tourismus. Nur mit einem moderaten Wachstum des Konsums rechnet hingegen die Expertengruppe des Bundes in ihrer Prognose. Denn die Reallöhne dürften sich nur verhalten entwickeln. Um 0,3 auf 2,9 Prozent dürfte die Arbeitslosigkeit sinken, der Beschäftigungszuwachs soll auf ein Prozent zu stehen kommen.

KOF-Konjunkturbarometer im Hoch

Auch das auf 400 Indikatoren beruhende Konjunkturbarometer der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich zeigte jüngste steil nach oben und erreichte Ende Dezember 2017 den höchsten Stand seit fast sieben Jahren. Die positiven Beiträge kämen dabei aus dem Bankensektor und den exportierenden Branchen, etwas schwächer auch aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Konsum und der Gastronomie. Eine rückläufige Tendenz zeigen das Baugewerbe, der Maschinenbau und die Elektroindustrie. Das KOF weist aber auch auf einen Treiber des Bruttoinlandprodukts hin, der seit 2017 in die Berechnung einbezogen wird, aber nur am Rande mit dem tatsächlichen Geschehen in der Schweizer Wirtschaft zu tun hat: Die grossen internationalen Sportanlässe, die von den in der Schweiz ansässigen Sportverbänden organisiert werden. Diese führen zu einer markanten Erhöhung der Wertschöpfung um knapp 0,3 Prozent. Während 2016 mit der Fussball-Europameisterschaft ein Grossanlass stattfand, gab es 2017 nur kleinere Veranstaltungen, während 2018 mit der Winterolympiade und der Fussball-Weltmeisterschaft gleich zwei Grossanlässe Geld in die Kassen der Sportverbände spülen. Die Entwicklung des Bruttoinlandprodukts spiegle deshalb den tatsächlichen Konjunkturverlauf nur bedingt.

Aufschwung auch auf vielen Exportmärkten

International sind die Aussichten mit wenigen Ausnahmen zumindest rosig. So geht die us-amerikanische Wirtschaft ins achte Jahr des Aufschwungs nach der letzten Rezession. Für Deutschland sieht es ebenfalls nach einer Fortsetzung des Booms – mit leichter Abschwächung – aus, und auch Frankreich und Spanien machen einiges gut. Sorgenkind bleibt Grossbritannien, das im Trubel des Brexits anhaltend schwaches Wachstumszahlen zeigt. Ähnlich positiv wie in der Schweiz sind die Aussichten für das Nachbarland Österreich. In China geht der Umbau der Wirtschaft weg von der von der Schwerindustrie dominierten Export- hin zu einer konsumorientierten Binnenwirtschaft voran. Damit sind die zweistelligen Wachstumsraten Geschichte, anderseits ergeben sich interessante Märkte mit Konsumprodukten für die rasch wachsende Mittelschicht.

 

Urs Fitze

© 2018 Schweiz. Verband Creditreform (Genossenschaft)

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