Newsmeldung

Schweizer Wirtschaft in stürmischem Umfeld

In so volatilen Zeiten verwelken Prognosen zuweilen schneller als das Herbstlaub. Die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit lassen aber zumindest den Schluss zu, dass die Schweizer Wirtschaft resilienter ist, als man es ihr zuweilen zutraut.

(Urs Fitze) Immer höhere Handelsschranken, eine steigende Zinsenlast, schrumpfendes Vertrauen, Zukunftsängste sowohl der Konsumenten als auch der Unternehmen und eine wachsende politische Unsicherheit: Die "Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung" (OECD) listet in ihrem Konjunkturausblick eine ganze Reihe von Herausforderungen, die das Zeug haben, die wirtschaftliche Entwicklung mehr als nur zu hemmen. OECD-Chefökonom Álvaro Santos Pereira sieht den grössten Hemmschuh in der mangelnden Investitionsbereitschaft. Die Investitionen seien seit der globalen Finanzkrise 2009 zurückgegangen und hätten das Wachstum gebremst, bilanziert Pereira in einer Pressemitteilung der OECD die Entwicklung der vergangenen Jahre. "Höhere Investitionen in die digitale und wissensbasierte Wirtschaft sind eine positive Entwicklung. Die öffentlichen Investitionen stagnieren jedoch weiterhin, und die Wohnungsbauinvestitionen halten nicht mit der Nachfrage Schritt. Mutige Politikreformen können zum Aufbau einer stärkeren Weltwirtschaft für das 21. Jahrhundert beitragen.“ Das klingt angesichts der aktuellen Lage mit maroden Staatshaushalten und ganzen Industrien, die sich neu erfinden müssen, schon fast wie Wunschdenken. Auch dem Aufruf von OECD-Generalsekretär Mathias Corman zu einer konstruktiven Zusammenarbeit der Regierungen, um "Probleme im globalen Handelssystem positiv und konstruktiv durch Dialog anzugehen" haftet im neuen, von Strafzöllen und Handelskriegen geprägten Zeitalter schon beinahe etwas Visionäres an.

Der Blick in die Welt zeitigt zwei Schwellenländer als Wachstumslokomotiven: Indien und Indonesien, gefolgt von China, der zweitstärksten Volkswirtschaft der Welt. Diese drei Staaten scheinen weitgehend unbeeindruckt von den aktuellen, von den USA ausgehenden Verwerfungen zu sein. Das unterstreicht die wachsende Resilienz asiatischer Volkswirtschaften. Die europäischen Volkswirtschaften tun sich, die Schweiz eingeschlossen, schwer. Die erwarteten Wachstumsraten liegen durchwegs um die ein Prozent. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass in "reifen" Volkswirtschaften mit stark ausgebauten Dienstleistungssektoren Wachstum weitgehend durch Innovation ausgelöst wird. Und da hinkt Europa als Wirtschaftsblock sowohl China als auch den USA hinterher. Die beiden grossen Konkurrenten auf den Weltmärkten spielen allerdings auch Roulette. Während China ganze Industrien mit staatlichen Förderungen auf Teufel komm raus entwickelt und damit für gewaltige Überkapazitäten sorgt, hängen die USA zunehmend am Tropf der IT-Industrie, ohne die die Wirtschaft noch nicht einmal mit Europa mithalten könnte. Den gigantischen Investitionen vor allem in Künstliche Intelligenz steht allerdings bislang noch kein funktionierendes Geschäftsmodell gegenüber.

Die Schweiz, gebeutelt von den US-amerikanischen Strafzöllen und Abwanderungsgelüsten der Pharma-Industrie, hält sich den Umständen entsprechend erstaunlich gut im Rennen. Die Prognostiker gehen wohl von einer spürbaren Abschwächung im kommenden Jahr aus, diese hält sich aber in vergleichsweise engen Grenzen. Von einer Rezession ist man meilenweit entfernt. Das wirft auch ein Schlaglicht auf das selbstzerstörerische Verhalten des sich masslos überschätzenden US-amerikanischen Präsidenten, der gerade dabei ist, sein Land ins Abseits zu manövrieren. Die Schweiz liegt damit in etwa im Mittelfeld der EU-Mitgliedsstaaten.