Stabiler Schweizer Mittelstand
4,9 Millionen Personen, etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung, zählen laut Bundesamt für Statistik zur «mittleren Einkommensgruppe». Dieser Wert ist seit über einem Vierteljahrhundert weitgehend stabil geblieben. Angesichts der beträchtlichen Spannweite der Einkommensverteilung in der «Mitte» überrascht der nahezu deckungsgleiche Anteil an Haushalten mit mindestens zwei Zahlungsrückständen zwischen 6,7 und 8,7 Prozent.
Gemeinhin zählen die Bevölkerungsschichten mit mittleren Einkommen als staatstragend. Geht es ihnen gut, geht es dem ganzen Land gut. Verschlechtert sich ihre Lage, wackelt das ganze politische und gesellschaftliche Gefüge. Aus dieser Warte betrachtet zeigt die jüngste Statistik zur Einkommensentwicklung der «Mitte» eine angesichts der zahlreichen Krisen in jüngerer Zeit eine erstaunliche Robustheit. Das Bundesamt für Statistik hat die Zahlen von 1998 bis 2023 ausgewertet. Es gab durchaus krisenbedingte Schwankungen, die aber niemals ein Ausmass annahmen, dass diese zu einer Krise des Mittelstandes geführt hätten.
Bei genauerer Betrachtung zeigen sich einige Risse, die vor allem die untere Hälfte betreffen. So war nach einer Befragung im Jahr 2024 jeder vierte Haushalt in dieser Gruppe nicht in der Lage, eine unerwartete Rechnung von 2 500 Franken zu bezahlen. Das sind rund 600'000 betroffene Personen. In der oberen Gruppe liegt dieser Anteil bei 10,9 Prozent oder rund 300'000 Personen. Jeder zehnte Haushalt der unteren Gruppe sieht sich mit Wohnkosten von 40 Prozent des Einkommens konfrontiert. Das liegt deutlich Zehntel über dem Wert von 30 Prozent, der noch als tolerierbar gilt. In der oberen Mitte ist nur jeder 30. Haushalt betroffen. Mit Zahlungsproblemen schlagen sich die Haushalte sowohl der oberen als auch der unteren Gruppe in ähnlichem Ausmass herum. 8,7 Prozent der unteren Mitte hatten 2024 mit mindestens zwei Rechnungen Zahlungsprobleme, bei der oberen Mitte waren es 6,7 Prozent. Diese Werte schlagen sich auch in der Einschätzung, ob das Geld bis Monatsende reicht, nieder. Als schwierig oder sehr schwierig betrachten 15,1 Prozent der unteren Gruppe die Lage. In der oberen Gruppe sind es 5,9 Prozent.
Urs Fitze

| 55,2 Prozent der Schweizer Bevölkerung zählt das Bundesamt für Statistik zur «mittleren Einkommensgruppe». Die Spannweite ist dabei je nach Haushaltsgrösse gross. So zählt eine alleinlebende Person mit einem monatliches Einkommensspektrum von 4’228 bis 9’061 Franken ebenso zur «Mitte» wie eine vierköpfige Familie, deren Einkommen zwischen 8’880 und 19 028 Franken liegen kann. Die Statistikerinnen und Statistiker gliedern diese Werte zusätzlich in eine «obere» und «untere» Mitte. |