Mässige Konjunkturaussichten
Der Schweizer Wirtschaft steht ein eher schwieriges Jahr bevor. Die Wachstumserwartungen liegen deutlich unter dem Potenzial. Mit einer deutlichen Erholung ist frühestens 2027 zu rechnen. Die Ungewissheit ist allerdings gross.
Die grossen Schagzeilen auf den Wirtschaftsseiten der Presse erinnern zuweilen an Feuerwerk, das so rasch verpufft, wie es den Himmel erhellt hat. So ist es mit dem Hin und Her der US-Strafzölle von Donald Trumps Gnaden. Natürlich traf es so manchen stark auf die USA fokussierten Betrieb hart, als der Präsident im August einen Zollsatz von 39 % verkündete. Und tatsächlich kam es im dritten Quartal des letzten Jahres zu einem empfindlichen Einbruch der Konjunktur. Dieser war allerdings vor allem von der Pharma-Industrie getrieben, die ihre Medikamente in Erwartung von hohen Zöllen vorsorglich in die Staaten geschickt hatte – von den Strafzöllen blieb sie dann verschont. Inzwischen sind die Zölle mit 15 Prozent auf das Mass, das mit der Europäischen Union gilt, gesenkt worden. Doch sicher ist auch daran gar nichts. Denn Donald Trump pflegt mit Executive Orders zu regieren. Das sind Dekrete, die seine Amtszeit nur überdauern, wenn der Nachfolger ihnen zustimmt. Im Falle der Zölle bemüht er auch noch Notrecht. Der höchste Gerichtshof wird da noch ein gewichtiges Wort mitreden. Und Notrecht bedeutet nichts anderes, als dass es langfristig einer gesicherten Rechtslage bedarf: in Form eines noch zu verhandelnden Abkommens, das parlamentarische Hürden überwinden muss – in der Schweiz wahrscheinlich auch eine Volksabstimmung. Da ist also nichts in Stein gemeisselt. Der sich zunehmend als Big Brother gebärdende Trump ist keineswegs allmächtig, und auch mit Sicherheit nicht so mächtig, wie der chinesische Staatspräsident auf Lebenszeit, Xi Jinping, für den keine Amtszeitbeschränkung gilt und der mit einigem Recht als Diktator gelten darf. Trump hatte China mit geradezu mörderischen Zöllen beleg, nur um diese kurz darauf zurückzustutzen - auf immer noch extreme Werte. China revanchierte sich und begann gleichzeitig damit, die Exporte auf neue Märkte zu leiten. Das ist offensichtlich gelungen. Während nach den USA 20 Prozent weniger Waren geliefert wurden, meldet China einen neuen Exportrekord und, mehr noch, einen noch nie dagewesensen Handelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar – was rund einem Drittel des Expotvolumens entspricht.
Die Schweiz sitzt in diesen globalen Umwälzungen mittendrin. Die USA sind die Nummer 2, China die Nummer 5 auf der Liste der wichtigten Handelspartner. Und die beiden importieren mit Abstand am meisten Güter und Dienstleistungen aus der Schweiz. Während Trump das Handelsdefizit mit der Schweiz als Rechtfertigung für die hohen Zölle bemüht, sind aus China keine Klagen zu hören. Ganz im Gegenteil. Die Schweiz, mit China seit 2014 durch ein Freihandelsabkommen verbunden, gilt als eigentlicher Testmarkt für eigene Industrieprodukte, vom Mobiltelefon bis zum Elektroauto. Tatsächlich gelingt es dem Land, das Handelsdefizit mit der Schweiz laufend zu reduzieren.
Auf die laufende konjunkturelle Entwicklung halten sich die Auswirkungen in Grenzen – langfristig dürfte das ganz anders aussehen. So rechnet das KOF Institut, dass die Zollsenkung der USA das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um 0,2 Prozent beschleunigen dürfte. Dieser positive Effekt wird allerdings durch eingetrübte Aussichten auf anderen Märkten mehr als wettgemacht. So dürfte, darin sind die die Prognoseinstitute einig, 2026 ein eher schwieriges jahr werden. Das KOF Institut und die Epertengruppe des Bundes sind da noch am zuversichtlichsten. Dass diese Skepsis berechtigt ist, zeigt der Blick auf die wichtigsten Handeslpartner der Schweiz, wo einzig Deutschland, Italien und Österreich, allerdings auf sehr tiefem Niveau, eine leichte Steigerung erwarten dürfen. Und auch die Weltwirtschaft hat mit einem erwarteten Wachstum von 2,6 Prozent in diesem Jahr schon deutlich bessere Zeiten gesehen. denken geben muss in der Schweiz die Entwicklung der Arbeitslosigkeit.Die Zahlen steigen nun schon im dritten Jahr. Das gab es, wie Raiffeisen Economic Research in einem Bericht festhält, zuletzt nach der globalen Finanzkrise 2009. Die Arbeitslosenquote liegt mit aktuell 3,1 Prozent wohl noch nicht auf alarmierendem Niveau, doch zeigten sich darin die Auswirkungen der europäischen Industrieflaute, die auch viele Schweizer Zulieferer trifft. Und da spiegelt sich dann wieder der globale Machtkampf zwischen China und den USA, die beide vehement auf die europäischen Märkte drängen.
Urs Fitze